Die Funktionsweise von Streichinstrumenten ist Folgende: sie funktioniert nach dem Prinzip des Ruckgleitens, auch Slip-Stick-Effekt. Voraussetzungen dafür, dass überhaupt ein Ton erzeugt werden kann, sind der Widerstand und die Reibung zwischen Bogen und Saite. Durch die Rauheit des Bogens oder des Streichrades haftet die Saite beim darüber streichen am Bogen oder am Streichrad. Dieser Teil des Effektes wird als „stick“ bezeichnet, der englische Ausdruck für „kleben“. Die Saite wird also bei der Bewegung mitgezogen. Dadurch wird die Saite gespannt. In dem Moment in dem die Spannung über die Haftkraft überwiegt, löst sich die Saite von Bogen oder Streichrad und schnellt zurück. Dieser Teil des Effektes wird mit dem englischen Verb „slip“ bezeichnet, zu Deutsch bedeutet das soviel wie „ausrutschen, abrutschen, gleiten“. So entsteht durch die Spannung ein Knick in der Seite, der sich dann, wenn die Seite sich vom Bogen gelöst hat, regelmäßig zwischen den Enden der schwingenden Saite hin- und herbewegt. Auf diese Weise wird durch die Schwingung der Saite der Ton erzeugt.
Da für die Tonerzeugung unbedingt ein gewisser Reibungsgrad von Nöten ist, damit es zu dem eben beschriebenen Stick-Slip-Effekt kommt, sind Bögen und Streichräder aus ganz bestimmten Materialien gefertigt. So wird bei der Fertigung von Bögen Pferdehaar verwendet, das durch seine besonders raue Oberfläche wie geschaffen für das Festhalten der Saiten ist. Bei Streichrädern wird in der Regel Kolophonium benutz. Bei Kolophonium handelt es sich um ein klebriges Baumharz, das exakt die richtige Klebrigkeit aufweist.
Das Prinzip der Tonerzeugung gleicht hier in etwa dem Anzupfen einer Seite. Allerdings kann durch das Streichen ein viel länger andauernderer Ton erzeugt werden, als dies beim Zupfen oder Anschlagen einer Seite der Fall ist. Der Grund dafür ist der, dass der vorbei streichende Bogen oder das Streichrad die Bewegung sofort wiederholt, was zu einer erhöhten Frequenz des Zurückschnellens der Saite führt. Die Saite einer Geige schnellt beim Geigenspiel bis zu mehrere hundert Mal in der Sekunde zurück. Nur auf diese Weise kann ein andauernder Ton erzeugt werden.